Rund 150 Interessierte fanden sich am Tag der offenen Tür im EBZ ein, um sich beraten zu lassen und zu schauen was es Neues gibt.
Thermische Solaranlagen
Experten von Solaranlagen-Herstellern zeigten an Fallbeispielen, welches Potenzial die Solarthermie auf dem Weg in das Zeitalter einer fossilfreien Energieversorgung hat. Bedenkt man, dass der Einsatz von Biomasse- und Geothermieanlagen in Stuttgart beschränkt ist, gibt es zur Solarthermie im städtischen Umfeld kaum Alternativen.

Auf Stuttgarter Wohngebäuden sind ca. 2400 thermische Solaranlagen mit einer Kollektorfläche von ca. 30.000 m² installiert. Sie erwärmen das Warmwasser und unterstützen in immer mehr Fällen in der Übergangszeit auch die Heizanlage.
Beim Neubau oder der Sanierung von Ein- und Zweifamilienhäusern ist eine thermische Solaranlage für die meisten Hauseigner inzwischen eine Selbstverständlichkeit, wohingegen die Solarthermie sich im Mehrfamilienhaus nach wie vor schwer tut. Der Markanteil größerer Anlagen auf Mehrfamilienhäusern betrug in den letzten Jahren nur etwa 5% der insgesamt installierten thermischen Solaranlagen und könnte laut einer aktuellen Studie des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) um den Faktor 10 gesteigert werden.
Würden thermische Solaranlagen bei einer Heizkesselerneuerung nach dem heutigen Stand der Technik flächendeckend in Stuttgart eingesetzt werden, könnten mittelfristig 5% CO2-Emissionen aus Heizanlagen reduziert werden.
Der Gebäudebestand in Stuttgart umfasst ca. 72.000 Wohngebäude mit 294.000 Wohneinheiten, welche 3,7 Mrd. kWh für die Heizung verbrauchen und damit ca. 1 Mio.t CO2-Emissionen verursachen.
Neben dem Nutzen für Umwelt und Klima stellt die Solarthermie oft die kostengünstigste Maßnahme dar, die neuen Gesetze EEWärmeG und EWärmeG zu erfüllen – und es gibt keine umweltfreundlichere Alternative bei der Warmwasserbereitung.
Eine thermische Solaranlage bietet sich besonders dann an, wenn ausreichend große Dachflächen (Schrägdach zwischen Ost, Süd und West ausgerichtet oder Flachdach) sowie eine zentrale Warmwasserbereitung vorhanden sind. Bei Anlagen zur Heizungsunterstützung können die Kollektoren auch ansprechend in die Gebäudefassade integriert werden. Als Mindestfläche für die Sonnenkollektoren schreibt das Landesgesetz zur Nutzung erneuerbarer Energiequellen bei Bestandsgebäuden 4 % der Gebäudenutzfläche vor, sofern die gesetzlichen Anforderungen nicht bereits durch andere Maßnahmen erfüllt wurden. Bei dieser Dimensionierung wird der Warmwasserbedarf in den Sommermonaten voll durch die Solaranlage gedeckt. Über das Jahr gemittelt können ca. 60 % des Warmwasserbedarfs gedeckt werden oder, bei Heizungsunterstützung, ca. 10-20 % der gesamten Heizenergie eingespart werden. Wesentlich ist, dass der für den Öl-, Gas- oder Biomassekessel ungünstige sommerliche Teillastbetrieb vermieden wird. Dies erhöht die Lebensdauer der Heizungsanlage und spart reichlich Heizkosten.
Solaranlagen und deren Komponenten werden heute Leistungs- und Qualitätsprüfungen nach internationalen Standards unterzogen. Man geht von einer Lebensdauer der Sonnenkollektoren von 25 Jahren aus. Sowohl die namhaften Heizkesselhersteller als auch Spezialanbieter haben in den letzten Jahren für den Mehrfamilienhausbereich bewährte und schlüsselfertige Paketlösungen mit abgestimmten Komponenten entwickelt. Der Handwerksbetrieb wird durch die Hersteller bei der Auswahl und der Planung der Anlage unterstützt und gegen einen geringen Aufpreis wird oftmals sogar eine Vorabanalyse der Verbrauchsdaten angeboten. Eine umfassende und kompetente Beratung kann durch den Energieberater oder den Heizungsfachbetrieb erfolgen.
Seit 15. März gibt es wieder verbesserte Fördermöglichkeiten für thermische Solaranlagen – ein Quadratmeter Kollektorfläche wird mit 120 € bezuschusst.
Mikro Kraft-Wärme-Kopplung
Gezeigt und von Experten der Firma Senertec beraten wurde der neue „Dachs Stirling SE“.

Immer mehr Hausbesitzer fragen nach Konzepten, wie mit der Wärmeerzeugung auch eigener Strom produziert werden kann. Die Mikro-Blockheizkraftwerke mit einer elektrischen Leistung ab 100 W decken nun auch das Segment der Ein- und Zweifamilienhäuser ab. Bislang waren die Anlagen dafür eher zu groß dimensioniert.
Mustersanierung nach Stuttgarter Sanierungsstandard
Gut zwei Dutzend Interessierte ließen sich mit dem Bus nach Obertürkheim fahren.
Highlight war dort die in der Fassade integrierten Luftsolarkollektoren.

Sobald die Sonne scheint, erwärmt diese die Luft in den Kollektoren. Sensoren messen ständig die Temperatur im Kollektor, sobald diese wärmer als die Raumtemperatur ist, schaltet ein kleiner Ventilator automatisch ein, der dann die warme Luft in die Wohnung bläst. Zusätzlich erwärmt die vorbeiströmende Luft noch ca. 6 m² Außenwand, da die Luft hinter den Kollektoren und auf dem Weg zum Ventilator noch zwischen der Wärmedämmung und der ungedämmten Fassade vorbeistreichen muss. Die Technik belüftet die Wohnungen und unterstützt die Raumheizung.
Das EBZ begleitet das Objekt weiterhin und wird über die Erfahrungen mit der neuen Technik berichten.
Zukunft Altbau
Ein positives Fazit der Veranstaltung zog Claudia Rist, die Leiterin des Landesprogramms Zukunft Altbau vom Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr Baden-Württemberg. „Der Tag der offenen Tür zeigte den großen Bedarf vieler Altbaubesitzer auf, sich über eine energetische Sanierung zu informieren.“ Von der Beratung über die finanzielle Förderung bis hin zur detaillierten Ausführung einer Altbausanierung reichten die Fragen der zahlreich erschienenen Besucher.
Firmenneutrale Informationen bekamen die Gäste am Stand von Zukunft Altbau. Das Landesprogramm klärt Wohnungs- und Hauseigentümer unabhängig zur energetischen Modernisierung älterer Häuser auf und vermittelt Energieberater aus der Region. „Tage wie dieser sind gut für die Hausbesitzer, für das Handwerk und die Umwelt. Wir freuen uns auf weitere gemeinsame Veranstaltungen mit dem EBZ Stuttgart“, so Claudia Rist.

Ausführliche Informationen: www.zukunftaltbau.de
Kostenfreies Beratungstelefon: 08000 / 12 33 33